"Grenzen anerkennen - Perspektiven wachhalten"

Propst Dr. Stecker über den Synodalen Weg

Am Mittwoch, 16. Nov. 2022, berichtete Propst Bernhard Stecker im FORUM DIAKONIE über seine Erfahrungen auf dem Synodalen Weg. Einen solchen Weg in großer Gemeinschaft mit vielen anderen zu gehen, war im Jahre 2018 die Antwort der Deutschen Bischofskonferenz auf die so genannte MHG-Studie über den sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige. Der Synodale Weg sollte der Verständigung dienen und nötige Reformen anstoßen. Themen: Macht in der Kirche, priesterliche Lebensformen, Sexualmoral, Rolle der Frauen in der Kirche. Die Bischöfe wollten in einen mehrjährigen Dialog treten vor allem mit Vertreter:innen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Vertretern der Priesterräte der Bistümer, mit Fachleuten aus Theologie, Sozial- und Humanwissenschaften, Repräsentant:innen der Jugend, der kirchlichen Verbände, der Orden und der geistlichen Gemeinschaften.

Äußeres Zeichen dieser neuen Weggemeinschaft, so Propst Stecker, war die Sitzordnung in der Synodenaula: Nicht mehr die Trennung der Kleriker von den Laien prägte das Bild; eine alphabetische Sitzordnung ermöglichte, dass die Teilnehmer:innen in ganz neuer, unerwarteter Weise ins Gespräch miteinander kamen. Er selbst habe als Vertreter des Osnabrücker Priesterrates an den Synodalversammlungen teilgenommen. - Diese hatten die Aufgabe, zu beraten und ggf. zu beschließen, was zuvor in Arbeitsgruppen formuliert und verabschiedet worden war. Der Propst beschrieb die mühsame, schwierige und anstrengende Erarbeitung von Texten, die die Bereitschaft zur Mitwirkung vor allem auch auf digitale Weise erforderte. Im Ergebnis lagen vier so genannte Grundtexte vor und Handlungstexte, gerichtet an irchliche Arbeitgeber, an die Bistumsleitungen und an Rom. Der Propst bekräftigte den Wert, aber auch die Grenzen des Prozesses. Man habe zunächst nichts weiter in der Hand als Texte, deren Wirkung schwer einzuschätzen sei. Die vielen - auch skeptischen und ablehnenden - Stimmen ausländischer Bischöfe zeigten jedoch, dass diese Texte nicht einfach verpufften, sondern wahrgenommen würden und Reaktionen hervorriefen.

Der Diskussionprozeß des Synodalen Weges habe die Spaltung der deutschen Bischofskonferenz sichtbar gemacht, so der Propst. Es gebe - im Übrigen ganz unabhängig vom Alter - reformbereite, "offene" Bischöfe und eher zurückhaltende, "konservative" Bischöfe. Diese Kategorien sagten allerdings nichts aus über ihre persönliche Glaubwürdigkeit. Erkennbar sei bei manchen Bischöfen leider eine gewisse Diskussionsverweigerung, die bei Abstimmungen zu unliebsamen Überraschungen geführt habe. Propst Stecker würde es begrüßen, wenn es im Ergebnis des Synodalen Weges möglich wäre, in ganz unterschiedlicher, vielfältiger Weise katholisch sein zu können. Angesichts der weltweiten kulturellen, politischen und sozialen Unterschiede sei eine uniforme, zentralistisch ausgerichtete Kirche weder möglich noch erstrebenswert. Es zeige sich, dass die Zerrissenheit der Deutschen Bischofskonferenz sich inzwischen auch in den Bischofskonferenzen anderer Länder finde. Die Tendenz der von Rom initiierten Befragung der Bischofskonferenzen für einen weltweiten Synodalen Weg zeige, dass die in Deutschland debattierten Themen überall virulent sind und nicht eine ntellektuelle Spielerei einige weniger Kräfte nur in der katholischen Kirche Deutschlands. Die Skepsis etwa der skandinavischen und der polnischen Bischöfe gegenüber den Themen des Synodalen Weges sei seiner Einschätzung nach ein Ausdruck ihrer Angst vor der Diskussion im eigenen Land.

Allerdings, so Prospt Stecker, führten Reformen struktureller Art wie z.B. die Zulassung der Frauen zu den Ämtern , die Aufhebung der Zölibatsverpflichtung oder demokratische Bischofswahlen nicht automatisch zu einem Aufblühen des kirchlichen Lebens. Die derzeitge Austrittswelle sei nicht die erste in der Geschichte und keineswegs die größte. Was die weitere Entwicklung betreffe, so der Propst, so ermutige ihn das Wort eine Managers der Automobilindustrie. "Kein Mensch will in einer Firma mit großer Geschichte arbeiten, sondern in einer Firma mit großer Zukunft!" Die Zukunft des kirchlichen und gemeindlichen Lebens sei gekennzeichnet durch eine große ethnische Vielfalt - dafür sei die katholische Kirche in Bremen geradezu ein Paradebeispiel! - Es werde in der einen Kirche Unterschiede geben auch in Beantwortung moralischer Fragen; es brauche keine zunehmende Akademisierung des Glaubens, sondern angesichts sozialer Verwerfungen eine Hinwendung zur Diakonie. Verheiratete und unverheiratete Priester werde es nebeneinander geben. Christsein sei in Zukunft mehr und mehr Ergebnis der persönlichen Lebenseintscheidung - es gebe in der gegenwärtigen Gesellschaft keine nichtrelgiösen Grunde mehr, religiös zu sein, so Propst Stecker. Als Kirche behalten wir nur dann unsere Daseinsberechtgung, wir wir in den gesellschaftlichen Debatten hörbar von Gott redeten. Das sei die Kernkompetenz der Kirche! Perspektiven aus theologischer Sicht seien nötig, die nur Christinnen und Christen, die nur die Kirche einbringen kann. Es müsse einen Ausweg aus der binnenkirchlichen Selbstbetrachtung geben. Die Themen des Synodalen Weges - Macht, Lebensformen, Gleichberechtigung - seien gesamtgesellschaftliche Themen, bei den wir uns hörbar zu Wort melden müssen, um die Gesellschaft durch unseren Beitrag mitzugestalten.

Richard Goritzka


Do. 24. Nov., 19:00 Uhr, St. Laurentius

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